Entängstigung als klares Motto von Ordensschulen

Rudolf Luftensteiner, Leiter des Bereichs Bildung der Ordensgemeinschaften, äußert sich konkret zur Situation der Ordensschulen im Schuljahr 2018/19, präsentiert die Fachschulen Erla als positives Praxisbeispiel in einem sehr aufschlussreichen Video, das viele Aspekte rund um das Thema Ordensschule direkt anspricht, und gibt das Motto #Entängstigung für das kommende Jahr vor.

 

(c) magdalena schauer

„Ich wünsche den Ordensschulen, dass es uns gelingt, eine Schulkultur zu leben, die entängstigt! Eine Kultur, die wirklich mehr auf den Menschen schaut. Ich halte es gesellschaftspolitisch für eine Katastrophe, wie zurzeit mit Angst und mit Entmenschlichung gearbeitet wird, um die eigenen Egoismen zu befriedigen. Veränderungen sind Herausforderungen, denen man nicht mit platten Lösungen begegnen darf. Es gibt nicht „die Bösen“, sondern es sind immer Menschen. Doch die Kinder, Jugendlichen und PädagogInnen bringen diese Ängste mit in unsere Schulen. Aufgrund unseres christlichen Verständnisses des Menschen und der Zukunft des Menschen ist es mein Wunsch für das kommende Schuljahr, dass es Ordensschulen und katholischen Schulen gelingt, Gemeinschaft entängstigend zu leben. Wir wollen den SchülerInnen wieder mehr Zukunftshoffnung mitgeben, damit sie den Mut haben, ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen und ihre Zukunft zu gestalten“, erklärt Luftensteiner mit Nachdruck das Motto für 2018/19.

Konkreter Austausch zum Lösen von Ängsten

Die praktische Verbreitung solcher übergreifender Messages lasse sich sehr gut in österreichweiten Direktorentagungen und regionalen Treffen umsetzen. Die PädagogInnen könnten sich hier intensiv darüber austauschen, zu welchen Themen gemeinsam gearbeitet werden soll. Der Leiter des Bereichs Bildung ist sich sicher, dass diese Treffen dabei unterstützen, einander Mut zu machen und dass dabei ein konkreter Austausch dazu gelinge, wie man Angst lösen kann. „Die Angst ist ja etwas Reales und man kann nicht einfach sagen ‚Hab keine Angst!‘. Etwas Blöderes gibt es eigentlich nicht, als jemandem, der Angst hat, diesen Ratschlag zu geben.“ Es gehe also vielmehr darum, konkret pädagogisch und im Miteinander daran zu arbeiten, dass die SchülerInnen wieder mehr Mut fassen.

Schülerin erlangte Selbstbewusstsein durch Ordensschule 

Lea Ortner, heute 17 Jahre alt, absolvierte die dreijährige Fachschule für soziale Berufe in Erla und sagt im aktuellen Video  rückblickend: „Ich war, bevor ich in die dreijährige Fachschule gekommen bin, wirklich schüchtern und sehr nach innen gekehrt. Aber in Erla konnte ich mich dann plötzlich wirklich öffnen. Nach den drei Jahren wurde ich ein offener Mensch und habe mir Selbstwertgefühl aufgebaut. Wir waren nicht getrennt in Schwestern-Lehrer-Schüler, sondern es war immer ein Miteinander. Wir sind miteinander gegangen. Das hat mich so geprägt, dass ich heute ein junges Mädchen bin, das mit beiden Füßen im Leben steht und jetzt sagen kann: Ja, ich kann die Krankenschwesternschule schaffen, weil ich an mich glaube.“ Luftensteiner ist der Meinung, dass den Ordensschulen nichts Besseres gelingen könne, als junge Menschen so zu führen wie Lea Ortner. Es kämen aber auch selbstbewusstere Schüler in Ordensschulen. Hier müsse man vermitteln, dass alle in einer Gemeinschaft leben und das Ziel eines christlichen Umgangs nicht sei, sein Ego höchstmöglich zu befriedigen. Christentum sei keine Bedürfnisbefriedigunsanstalt. Der christliche Gedanke sei immer, „dass wir unser Leben füreinander miteinander gestalten“ und das sei ein völlig anderer Zugang.

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Rudolf Luftensteiner (c) magdalena schauer

Das Positive ist, wir haben hohe Schülerzahlen

Rudolf Lufteinsteiner zeigt sich erfreut, dass die Menschen das Angebot der Ordensschulen sehr gut annehmen und bereit seien, den Weg gemeinsam mit ihnen zu gehen. Die Lage der Ordensschulen gleiche grundsätzlich der Bildungslandschaft. Das Schwierige sei, dass durch die Bildungsreform im heurigen Jahr viele Dinge umgesetzt würden, hinter denen noch Fragezeichen stünden.

Bildungsreformen nicht am grünen Tisch regeln

Im Bereich der Deutschklassen und der Zuteilungen der Ressourcen gebe es viele Veränderungen und auch die Frage der Schulaufsicht werfe Fragen auf und bereite Sorgen: „Wird die Qualität, die wir bisher bieten konnten, erhalten bleiben? Bisher gab es Fachkompetenz, da die Landesschulinspektoren selbst aus den jeweiligen Bereichen kamen. Denn eine AHS, eine HTL und eine Volkschule haben unterschiedliche Bedürfnisse. Ist das weiterhin garantiert oder werden künftig Verantwortliche benannt, die einfach für alles zuständig sind? Ich bin dafür, Bildungsreformgesetze unter stärkerer Einbeziehung der Leute vor Ort zu gestalten und nicht so viel am grünen Tisch zu regeln. Denn Bildungsreformgesetze, Pädagogik und Schulorganisation studiert zu haben, sie also theoretisch zu kennen und den Alltag vor Ort gelebt zu haben, sind zwei sehr verschiedene Dinge. Es gibt viele gute Ansätze, aber so manches ist in der Praxis einfach ganz anders zu sehen“,  äußert der Leiter des Bereichs Bildung sehr klar seine Bedenken in Bezug auf kommende Entwicklungen.

Im Großen geht er aber mit den Ordensfrauen der Fachschulen Erla d’accord, deren klares Ziel es ist, den jungen Menschen die Wertschätzung des eigenen Lebens, die Wertschätzung des Lebens der Anderen und die Wertschätzung der Schöpfung und Natur mitzugeben. Sr. M. Rosa Wieser unterstreicht im Video: „Wenn uns das gelingt, dann haben wir die Grundpfeiler für ein erfülltes Leben geschaffen.“

Hochaufgelöstes Pressefoto Rudolf Luftensteiner (c) magdalena schauer

Hochaufgelöstes Pressefoto Fachschulen Erla (c) magdalena schauer

[mschauer]