Ein spiritueller Ort: die Ordensschule Kalksburg

Eine Kapelle oder Kirche zu erschließen ist für ein Treffen von Kirchenpädagogen nichts Ungewöhnliches. Gleich 3 der ursprünglich 7 Kapellen des Kollegiums Kalksburg in Wien-Liesing gab es zu erkunden für die 30 TeilnehmerInnen bei der Internationalen Jahrestagung der Kirchenpädagogik am 3. Mai 2019 zum Thema „Die Spiritualität des Ortes“. Doch der vom Referat für die Kulturgüter organisierten Veranstaltung ging es zudem um die Umgebung der Schule, andere Räume und Kontexte und vor allem um die Prinzipien der Ignatianischen Pädagogik. Das Kollegium Kalksburg, 1856 von den Jesuiten gegründet und als erste Schule 1994 der Vereinigung von Ordensschulen übergeben, atmet den Geist des Ignatianischen Charismas. Zurzeit ist ein Jesuit an der Schule für Schulpastoral im  Einsatz. #spirituell wach #kulturell wach

Ein spiritueller Ort: die Ordensschule Kalksburg

Die TeilnehmerInnen an der Jahrestagung in der Kongregationskapelle. Mit einem Herzen aus Karton machten sich die TeilnehmerInnen auf Erkundigungsreise durch die Kongregationskapelle, aufgrund der vielen Votivherzen auch Herzerlkapelle genannt.

Nach einem Spaziergang in die Umgebung der Schule, um die Stille und Natur wahrzunehmen, und einem Impuls über die Geschichte und Gegenwart der Schule stand die Ignatianische Pädagogik am Vormittag im Zentrum der Tagung. Schülerinnen stellten das Peer-Progamm vor, bei dem die ganze 7. Klasse des Gymnasiums sich um die 1. Klasse kümmert. Die Schülerinnen schilderten Erfahrungen damit, viel Ungezwungenheit und Freiheit und Freundschaften zwischen den großen und den kleinen SchülerInnen seien entstanden. Die Sorge um den Einzelnen gehört zum Wesentlichen der Ignatianischen Pädagogik. Albert Roth, Lerncoach am Kollegium Kalksburg, berichtete danach, dass der Ordensgründer Ignatius von Loyola "eigentlich keine Schulen wollte". Doch es gab bereits 1556, im Todesjahr des Ignatius, 35 Schulen weltweit. Heute betreibe der Orden 3.730 Bildungseinrichtungen auf der ganzen Welt. 1986 sei auf der Grundlage des Exerzitienbuches des hl. Ignatius die IgnatianischePädagoigik initiiert worden. Deren Prinzipien sind, dargestellt in einer Spirale:
1. Kontext. Die erste Frage sei stets: Wer ist der Andere, was braucht er?
2. Erfahrung. Dabei gehe es darum, die Dinge "innerlich zu verspüren und zu verschmecken".
3. Die Erfahrung muss reflektiert werden.
4. Handeln. Liebe zeigt sich nicht in Worten, sondern in Taten.
5. Die Auswertung.

Ein spiritueller Ort: die Ordensschule Kalksburg

Wie sie das im konkreten Schulalltag umsetzt, zeigte eine Lehrerin sehr anschaulich. Für sie ist die Ignatianische Pädagogik vor allem wertvoll für die Beziehungsarbeit, sie hilft ihr aber auch für den Jahresplan und die Unterrichtseinheiten. Sie lädt die Schülerinnen und Schüler immer wieder ein, innezuhalten und zu entschleunigen (z.B. Morgenritual ...), die inneren Regungen wahrzunehmen, sie ermutigt sie zur Tages- oder Wochenrückschau, zu Dankbarkeit und Achtsamkeit.
Danach ging es in die Konviktskapelle, wo es die Kirchenpädagogin Theresia Stampler auf anregende Weise verstand, zunächst auf der Empore von den Teilnehmerinnen Eindrücke vom Raum zu erfragen und zu sammeln. Im Kirchenraum selber erarbeiteten die TelnehmerInnen in Gruppen einzelne Stationen der Kapelle (Herz-Jesu-Altar, Schutzengelaltar, Hochaltarbild ...).

Ein spiritueller Ort: die Ordensschule Kalksburg

Die Kirchenpädagogin Theresa Stampler erschließt mit den TeilnehmerInnen Stationen der Konviktskapelle. Fotos: Irene Kubiska-Scharl

Am Nachmittag gab es neben der kreativen Erschließung der Kongregationskapelle und der Kolbe-Kapelle theoretische Impulse: über den Glauben um 1900 und das Phänomen der Zeit, was Kinder heute brauchen, um eine Stärkung zu erfahren, und Votivgaben. Der Vortrag "Menschen zum Heiligen führen" war in 3 Teilen ajufgebaut: 1. Was erwarten sich Menschen von Kirchen? Die Sinus Mileu Studie wurde dafür durchleuchtet. Der 2. Abschnitt Der "Heilige Raum - dem Heiligen Raum geben" stellte heraus: Kirchen sind Kontrasträume und Orientierungspunkte, sie haben die Aufgabe, dem heiligen Geschehen einen Raum zu schaffen. Im 3. Teil ging es um den Dreischritt der Kirchenpädagogik: STOP- LISTEN - GO. Stop = Regression: Inne halten, heraus treten aus dem Alltag, ankommen, sich an das Heilige annähern. Listen = Expression: dem Heiligen im Raum begegnen, hören, einlassen, erleben, sich selbst in Bezug setzen, offen werden für Inspiration, Berühren des Geheimnisses als Gegenüber. Go = Impression. Die Begegnung mit dem Heiligen hinterlässt Spuren im Einzelnen. Was nehme ich mit? Was hat sich ins eigene Leben eingeprägt?

[hwinkler]