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Katholische Schulen müssen klares Profil zeigen

Katholische Schulen müssen klares Profil zeigen

Katholische Schulen müssen klares Profil zeigen

KATHPRESS/Kirchen/Schulen/Bildung/Werte/Tagung/ utl: Tagung katholischer Schulerhalter und Direktoren in Puchberg bei Wels über aktuelle Herausforderungen im Bildungsbereich

Linz-Wien, 14.04.11 (KAP)

Katholische Schulen müssen in der Öffentlichkeit ein klares Profil zeigen. Das war der Tenor einer Tagung der katholischen Schulerhalter und Direktoren katholischer Berufsbildender Mittlerer und Höherer Schulen sowie für Kindergartenpädagogik. "Um in der Gesellschaft wirksam sein zu können, müssen Leitungen und Trägerschaften katholischer Schulen klar benennen, wie sie sich in ihrer Arbeit von anderen Schulen unterscheiden wollen", so Georg Nuhsbaumer vom Wiener Kardinal König-Haus, einer Einrichtung der Jesuiten.

Es gehe nicht darum, sich in "hehren Idealen und großen Worten" zu üben, sondern konkret zu definieren, "welche Schritte man wie setzen will und woran deren Wirksamkeit erkennbar werden soll". Die Tagung im im Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels stand unter dem Titel "Katholische Schulen im gesellschaftlichen Kontext".

Für ein klares eigenes Profil sprach sich auch Christian Friesl, Bereichsleiter für Gesellschaftspolitik der Industriellenvereinigung und ehemaliger Präsident der Katholischen Aktion Österreich, aus. Wer Werte vermitteln möchte, "muss reflektieren, was er vermittelt". Hinter jedem Ansatz einer Wertevermittlung stehe eine bestimmte Anthropologie bzw. ein spezifisches Schul- und Bildungsverständnis, so Friesl. Auch hätten Institutionen jeweils eigene Botschaften und Lehrkräfte könnten anhand des Werteprofils der Schule die eigenen ethischen Leitlinien überprüfen. Nicht zuletzt bräuchten Schulen auch Werte, um Traditionen weiter- bzw. umzuschreiben.

Schulen sollten "Orte der Wertbildung" sein, Pädagogen sollten Kindern und Jugendlichen Werte vermitteln. Friesl ortete grundsätzlich einen Mangel an Visionen und Zielen als einen Grund für eine Verunsicherung in der Gesellschaft. Prozesse der Wertklärung und -bildung könnten dabei einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung neuer Visionen und Ziele darstellen. Bei der Wertebildung biete Religion einen "Mehrwert", erklärte Friesl. So würden Menschen z.B. durch die Anerkennung einer Religion und ihrer Relevanz einen "Maßstab für ihr Leben übernehmen" und eine "motivierende Kraft durch das grundsätzliche Gefühl des Angenommen-Seins von Gott" erleben. Auch liefere Religion Vorbilder und Tugenden. Im Kontext mit Wertebildung könne Religion die Vorteile Pluralismusfähigkeit, Versöhnungswille und Freiheitskompetenz bieten.

Aktuelle Zeitdiagnose

Damit wir im gesellschaftlichen Kontext handlungsfähig bleiben, müssen wir immer wieder so etwas wie eine Zeitdiagnose wagen", betonte Nuhsbaumer in seinem Vortrag. Er ist Leiter des Bereichs Gesellschaftsfragen des Kardinal König-Hauses und nannte fünf aktuelle "Fragezeichen" für die katholischen Schulen. In den Bereichen "Kommunikations-Technologie", "Wirtschafts-Logik", "Welt-Ordnung", "Selbst-Bestimmung" und "Generationen-Wechsel" stelle sich die "drängende Frage, ob wir die aktuellen Herausforderungen annehmen und wie wir als christliche Akteure damit umgehen".

In seinem Vortrag bezog sich Nuhsbaumer auch auf den tschechischen Theologen Tomas Halik, der die Haltung vieler Menschen mit der Darstellung der Figur des Zachäus im Lukasevangelium charakterisiert: "Im Wissen um alles, was im eigenen Leben schief läuft, bleibt Zachäus auf Distanz und behält die Beobachterposition", so Nuhsbaumer. Dies sei auch heutzutage bei vielen Menschen so: "Sie nehmen wahr, bleiben aber in einer kritischen oder passiven Distanz zur Gesellschaft." In der biblischen Geschichte ändert Zachäus sein Verhalten, als Jesus in beim Namen nennt und anspricht, er übernimmt fortan Verantwortung für sein Leben und im Blick auf andere. Diese Szene biete die Möglichkeit der Identifikation mit beiden Figuren. "Wer christlich handeln will, muss wissen, wie er selber ist", erklärte Nuhsbaumer. "Er muss seine Zeitgenossen beim Namen nennen können. Das heißt, sich auseinandersetzen mit dem, was sie ausmacht, um ihnen begegnen zu können." Letztlich gehe es auch darum, Menschen die Begegnung mit Jesus zu ermöglichen.

Vernetzung und Profilierung

Die Tagung mit dem Titel "Schule als Brennglas gesellschaftlicher Trends" wurde von der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs, der Vereinigung der Frauenorden Österreichs, der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems und dem Interdiözesanen Amt für Unterricht und Erziehung veranstaltet. Neben Friesl und Nuhsbaumer gab Theodor Siegl vom Unterrichtsministerium als Vortragender einen Ausblick auf die Entwicklung der BMHS. Das Treffen solle auch zur stärkeren Vernetzung beitragen, erläuterte Rudolf Luftensteiner vom Schulreferat der Superiorenkonferenz im Gespräch mit "Kathpress".

Eine verstärkte Nutzung von Synergien und eine klare Profilierung sollten zu Verbesserungen in der Schullandschaft beitragen, Herausforderungen sollten erkannt und Lösungsmöglichkeiten gefunden werden. Zukunft der Ordensschulen Die Zukunft der Ordensschulen war bereits Thema einer vorangegangenen Tagung Anfang April im Wiener Kardinal König-Haus. Dabei hatten Sr. Beatrix Mayrhofer, langjährige Direktorin des Gymnasiums in der Wiener Friesgasse, und Walter Schauer, ehemaliger Direktor des Kollegiums Kalksburg, von ihren Praxiserfahrungen berichtet. (ende)

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